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Meine Wut auf Herr Deppendorf: Die Wahlkampberichterstattung in Deutschland

Wahlabend, kurz nach Verkuendigung des Ergebnisses: Herr Deppendorf verkuendet so in etwa “Haette, Haette Fahrradkette, Halskette, : leider war dieser Wahlkampft weitgehend frei von wichtigen Themen“. (oder so aehnlich).

GROSSE WUT. ICH MOECHTE SCHREIEN, EIGENTLICH MOECHTE ICH HERRN ULRICH DEPPENDORF VERPRUEGELN. (*)

Warum: dieser Wahlkampf war ueberhaupt nicht frei von wichtigen Themen. Die zur Wahl stehenden Parteien hatten unterschiedliche Positionen zu so wichtigen Themen wie Steuererhoehungen, NSA-Skandal, Energiepolitik – um nur ein paar zu nennen. Waehrend sich die CDU mit konkreten Sachaussagen zurueckhielt (fuer eine Partei an der Regierung die in den Umfragen fuehrt, wohl eine geschickte Strategie…), bemuehte sich die SPD geradezu verzweifelt, einen “Themenwahlkampf” zu fuehren. Es waren allerdings die Medien, sie sich monatelang an so weitgehend irrelevanten, aber eher ungeschickten Aussagen von Herr Steinbrueck aufge..lten, indem diese auf den Titelseiten durchgenudelt wurden. In diesem Sinne ist eine Aussage von den Medien (die die Inhalte eines Wahlkampfes leider wesentlich mitbestimmen), dass der Wahlkampf inhaltleer war, eine FRECHHEIT. Dann fuellt ihn mit Inhalten. Dafuer gibt es Euch!

“Good news is no news” ist eine traurige und bekannte Wahrheit, seit Jahrzehnten. Was in der Medienlandschaft allerdings neu ist: die Printmedien stehen unter enormen wirtschaftlichen Zwaengen. Das Heil wird grossteils (nicht zu Unrecht) im Internet gesucht. Dort allerdings gelten nur “Clickraten” als Erfolgindikator – also gibt es reisserische Aufmacher (“Steinbrueck macht mal wieder eher unglueckliche Aussage”) statt Inhalten (“die Unterschiede zwischen den Aussagen der SPD und denen der CDU”).

Die Niedergang vieler Medien in Richtung auf Sensationalismus (oh SPIEGEL, was ist aus Dir geworden – insbes. aus SPIEGEL online) kann man vielleicht nicht aufhalten. Ich erwarte allerdings von den GEBUEHRENFINANZIERTEN oeffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten, dass sie in den Nachrichten echte Informationen bringen und nicht die duennen aufgebauschten “Neuigkeiten” der flachen Mainstream-Medien wiederkauen. Nix fuer ungut, aber dafuer zahle ich keine Gebuehren.

Um mal ein bisschen zu traeumen: die Nachrichten von ARD und ZDF orientieren sich nicht an den Einschaltquoten, sondern bieten Qualitaetsjournalismus, der in die Tiefe geht; auch und insbes. bei der Auswahl der Materials. Die Wahlkampfberichterstattung von ARD und ZDF ignoriert so laecherliche Themen wie Halsketten und Preise von Wein. Die Reporter von ARD und ZDF stellen sowohl Regierung als auch den Oppositionsparteien kritische Fragen und lassen sich nicht so einfach mit Platitueden abspeisen.

Dann bin ich vielleicht bei der naechsten Wahl nicht mehr so sauer auf Herr Deppendorf…

(*) Ich habe noch nie jemand verpruegelt und ich habe keine Plaene den guten Herrn D. zu verpruegeln. Es ging mir hier nur um die Beschreibung meines Zornes.

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Categorised in: General/Allgemein, InDeutsch

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