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Harter Tobak: Geschichten aus dem Altersheim, Gedanken zum Sterben

Mal wieder etwas aus der ZEIT, zufällig entdeckt – drei erschütternd gute Berichte aus einem Praktikum in einem Altersheim:

http://www.zeit.de/gesellschaft/2013-10/tagebuch-altenheim-eins

http://www.zeit.de/gesellschaft/2013-10/tagebuch-altenheim-zwei

http://www.zeit.de/gesellschaft/2013-10/tagebuch-altenpflege-drei

Interessant auch die Kommentare dazu (im dritten Link). Ich kopiere hier mal den letzten:

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  1. Ehemaliger Hospiz-Psychotherapeut hier.

    Zunächst möchte ich Elias für diese realitätsnahen und unbeschönten Tagebuchauszüge danken. Was hier manchmal als konfus bezeichnet wird, stellt m.E. die inneren Wirren und Konflikte der Arbeit sehr gut dar.

    Menschen beim Sterben zu begleiten, oder manchmal nur noch beim Sterben zuzusehen, ist Schwerstarbeit. Da bedarf es einer exzellenten persönlichen Verfassung (Resilienz) und solide, intensive Supervision – insbesondre für Anfänger. Einen Praktikanten ohne Ausbildung und Supervision auf die Gäste loszulassen ist m.E. verantwortungslos – es ist nur zu wahrscheinlich, dass sowohl Patienten als auch der Praktikant unnötig leiden.

    Dabei sind Agressionen seitens des Praktikanten, wie ja hier im dreiteiligen Text zuweilen beschrieben, durchaus normal, und als gesunde Selbstschutzreaktionen zu anzusehen.

    Für mich persönlich war die Arbeit in (einem kalifornischen) Hospiz der Anfang meiner therapeutischen Ausbildung. Aus Kostengründen wurde der fünftägige Workshop zur Hospizarbeit in diesem Jahr ausfallen gelassen. In meinem allerersten Arbeitstag sah ich gleich mal eine Leiche. Krebspatient, nur noch Haut und Knochen. Schon bald verengte sich meine Perspektive auf ‘alles stirbt’: Rost am Auto, ein graues Haar, Sirenen von Krankenwagen… alles stirbt.

  2. Radfahren war plötzlich lebensgefährlich; alles was man isst krebserregend. Es gab Arbeitsschichten an denen ich mich regelrecht vor meinen Patienten versteckte, weil ich es so schwierig fand.
    Mit der Zeit wurde es dann besser.

    Wohlgemerkt waren die Menschen mit denen ich arbeitete Patienten. Aber auch zu Patienten entwickelt man eine Beziehung, und es schmerzt wenn sie verstreben. Es wird dann nochmal eine Runde schwieriger, wenn wir zu den Sterbenden eine intensive persönliche Beziehung haben, wie das zum Beispiel bei Familienmitgliedern. Da kommt dann noch eine ganz andere Dynamik dazu, insbesonde bei Demenz. Ich konnte das selbst erfahren als es dann nach ca. einem Jahr Begleitung von Sterbenden im Hospiz an die Begleitung meines eigenen Vaters ging. Leider war ich nur stellenweise involviert, weil ich ca 10.000km entfernt wohne, wenn ich aber über längere Strecken an der Seite meines Vaters war, waren die durch die Demenz verursachte Persönlichkeitsveränderung nur schwer zu ertragen. Ich habe grossen Respekt vor Verwandten, die sich um Familienmitglieder kümmern.

    Was ich aus der Zeit im Hospiz gelernt habe: Menschen durch ihren letzten Atemzug zu begleiten hat meine Angst vorm ‘Todsein’ ist verschwunden. Ein Gutes Buch zum Thema ist Kathleen Singh’s “The Grace in Dying.”

    http://www.kathleendowlin…

    EINE LESEREMPFEHLUNG
  3. Meine Angst vor dem Altern und dem physiologischen Prozess des Sterbens ist allerdings gewachsen. Im Zuge dessen habe ich mich selbst dann auch über mögliche Alternativen informiert. Dabei stimme ich einem meiner Mitkommentatoren allerdings zu: Wenn man jung ist, ist es einfach zu sagen, statt zu leiden werde ich mich ‘strategisch suizidieren’. Gesehen habe ich das Gegenteil: Obwohl das Leben immer kleiner und schwerer wird, halten Menschen mit aller Kraft daran fest.

    Nichtsdestotrotz ist es gut, sich über Alternativen zu informieren. “Exit International” ist eine hervorragende Quelle. Die bieten sogar Workshops an – allerdings nur auf English.
    http://www.exitinternatio…

    Abschliessend wünsche ich allen Lesern den Mut, sich mit dem Sterben so früh wie möglich auseinanderzusetzen, denn es ist einfach sehr beruhigend zu wissen, dass “…death is perfectly safe.” (Stephen Levine: A Year to Live: How to Live This Year as If It Were Your Last).

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Categorised in: InDeutsch, LifeTUAE

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